MEHRKATZENHAUSHALT
wie ein harmonisches Zusammenleben gelingen kann
Wie sieht ein „gutes“ Zusammenleben aus?
Katzen können sehr unterschiedlich miteinander leben. Manche schlafen zusammen, putzen sich gegenseitig und suchen die Nähe der anderen. Das ist natürlich schön, aber kein Muss.
Andere Katzen leben einfach friedlich nebeneinander her und gehen sich größtenteils aus dem Weg. Auch das kann völlig in Ordnung sein. Katzen müssen keine besten Freunde sein. Sie dürfen auch einfach Mitbewohner sein.
Die wichtigste Frage ist deshalb nicht: „Kuscheln meine Katzen miteinander?“, sondern: „Können alle Katzen entspannt ihren Alltag leben?“
Jede Katze sollte in Ruhe fressen, schlafen, spielen, die Toilette benutzen und sich zurückziehen können, ohne dabei ständig von einer anderen Katze bedrängt zu werden.
Wann solltest du dir Gedanken machen?
Fauchen, Knurren oder gegenseitiges Anstarren sind zunächst einmal normale Kommunikation. Sie zeigen, dass eine Katze gerade eine Grenze setzt. Problematisch wird es, wenn daraus dauerhafter Stress entsteht.
Schau genauer hin, wenn du Folgendes beobachtest:
- Eine Katze lauert der anderen regelmäßig auf oder verfolgt sie immer wieder.
- Die Interaktionen sind nicht gegenseitig. Beim Spielen wird beispielsweise immer nur eine Katze gejagt und versucht zu flüchten.
- Eine Katze wird von Futter, Wasser, Toiletten oder Liegeplätzen ferngehalten oder traut sich nicht mehr, diese zu nutzen.
- Eine Katze zieht sich immer häufiger zurück oder versteckt sich.
- Es kommt regelmäßig zu heftigen Auseinandersetzungen oder sogar Verletzungen.
- Eine Katze wird plötzlich unsauber.
- Eine Katze spielt oder frisst weniger oder zeigt andere deutliche Verhaltensveränderungen.
Wichtig ist: Stress muss nicht laut sein. Eine Katze, die still ausweicht, sich zurückzieht oder bestimmte Räume und Ressourcen nicht mehr nutzt, kann ebenfalls stark belastet sein.
Was kann dahinterstecken?
Wenn Katzen sich von Anfang an nicht verstehen oder sich plötzlich nicht mehr verstehen, kann das verschiedene Gründe haben:
- Unterschiedliches Alter und Temperament: Eine junge, sehr aktive Katze kann eine ältere oder ruhigere Katze schnell überfordern. Auch unterschiedliche Spielweisen können zu Konflikten führen.
- Unterschiedliche Persönlichkeiten: Nicht jede Katze möchte gleich viel Nähe oder hat die gleichen sozialen Bedürfnisse. Manche Katzen sind sehr gesellig, andere brauchen deutlich mehr Abstand.
- Geschlecht und Spielverhalten: Auch unterschiedliche Spielweisen können eine Rolle spielen. Kater spielen beispielsweise häufig körperlicher, während Katzen teilweise stärker aus dem Hinterhalt agieren. Das kann funktionieren, muss aber nicht. Unkastrierte Katzen geraten zudem schneller unter Druck.
- Eine schwierige Zusammenführung: Wenn Katzen zu schnell oder unter zu viel Stress zusammengeführt wurden, kann das die Beziehung belasten.
- Veränderungen im Umfeld: Ein Umzug, neue Möbel, ein neues Tier, neue Menschen oder Veränderungen im Tagesablauf können Stress auslösen.
- Eine Katze war länger weg: Nach einem Aufenthalt beim Tierarzt oder in der Tierklinik kann eine Katze anders riechen und von den anderen vorübergehend nicht mehr richtig akzeptiert werden.
- Eine fremde Katze in der Umgebung: Auch eine fremde Katze, die draußen auftaucht oder stark markiert, kann Unruhe in eine bestehende Katzengruppe bringen.
- Zu wenig Ressourcen oder Beschäftigung: Wenn Toiletten, Futterplätze, Wasserstellen, Rückzugsorte oder erhöhte Liegeplätze fehlen oder ungünstig verteilt sind, kann das zu Konflikten führen. Auch Langeweile und fehlende Beschäftigung können Spannungen verstärken.
Das solltest du jetzt tun:
1. Bei heftigen Kämpfen: sofort trennen
Wenn sich deine Katzen massiv angreifen, sich beißen oder verletzen, solltest du sofort für räumliche Trennung sorgen.
Versuche nicht, die Katzen in diesem Moment wieder zusammenzubringen. Sicherheit geht zuerst. Alle weiteren Maßnahmen kommen danach.
Je nach Situation kann anschließend eine langsame erneute Zusammenführung notwendig sein.
2. Gesundheitlich abklären lassen
Eine plötzliche Verhaltensänderung sollte immer auch medizinisch abgeklärt werden.
Schmerzen können beispielsweise dazu führen, dass sich eine Katze zurückzieht oder gereizter reagiert. Eine Katze, der es körperlich nicht gut geht, kann außerdem plötzlich von einer anderen Katze bedrängt werden.
Wenn dir eine Veränderung auffällt, lass deine Katze deshalb tierärztlich untersuchen.
3. Die Wohnung aus Katzensicht betrachten
Schau dir deine Wohnung einmal ganz bewusst aus Katzensicht an:
Kann jede Katze in Ruhe fressen, trinken, schlafen und die Toilette benutzen? Kann sie sich zurückziehen, ohne von einer anderen Katze blockiert zu werden?
Als Orientierung gilt bei Toiletten: Anzahl der Katzen plus eins. Bei zwei Katzen sind beispielsweise drei Toiletten sinnvoll.
Aber nicht nur die Anzahl zählt. Ressourcen sollten gut verteilt, frei zugänglich und möglichst nicht in Sackgassen aufgestellt sein. Auch erhöhte Liegeplätze brauchen einen sicheren Auf- und Abgang. Eine Katze sollte dort nicht von einer anderen blockiert werden können.
4. Für ausreichend Beschäftigung sorgen
Auch Langeweile kann Stress verstärken. Frag dich deshalb:
Biete ich meinen Katzen genug Möglichkeiten, sich zu bewegen, zu spielen, zu klettern, zu suchen und ihr natürliches Verhalten auszuleben?
Gerade wenn du viel außer Haus bist, solltest du dir überlegen, wann du bewusst Zeit für deine Katzen einplanen kannst.
Dabei muss nicht jede Katze das Gleiche mögen. Beschäftige dich auch einzeln mit deinen Katzen und finde heraus, was der jeweiligen Katze wirklich Freude macht.
5. Positive gemeinsame Erfahrungen schaffen
Wenn die Katzen nicht gerade mitten in einem Konflikt stecken, kannst du daran arbeiten, ihre gemeinsame Zeit wieder positiv zu gestalten.
Zum Beispiel durch gemeinsam verteilte Leckerchen oder Beschäftigungen, bei denen keine Katze die andere bedrängen kann.
Wichtig ist dabei, dass nicht eine Katze ständig zurückstecken muss. Ziel ist nicht, die Katzen zum gemeinsamen Spielen oder Kuscheln zu zwingen, sondern dafür zu sorgen, dass die Anwesenheit der anderen Katze wieder mit etwas Positivem verbunden werden kann.
Und wenn es trotzdem nicht funktioniert?
Nicht jede angespannte Beziehung bedeutet automatisch, dass eine Katze ausziehen muss. Es gibt viele Dinge, die du vorher ausprobieren kannst. Manchmal reichen Veränderungen im Alltag, bessere Ressourcen, mehr Rückzugsmöglichkeiten oder passende Beschäftigung. In anderen Fällen kann eine erneute, langsame Zusammenführung notwendig sein.
Und manchmal stellt sich tatsächlich heraus, dass zwei Katzen einfach nicht gut zusammenpassen.
Das Ziel muss nicht sein, dass alle Katzen miteinander kuscheln. Wenn sie entspannt nebeneinander leben können und jede Katze ihren eigenen Raum bekommt, kann das bereits ein sehr gutes Zusammenleben sein.
Falls du Rückfragen zum Zusammenleben von Katzen hast, kannst du dich gerne melden. Bitte beachte aber: Wir können keine Tiertrainer*innen oder Verhaltenstherapeut*innen ersetzen.
